Was ist nur in Chemnitz los?

Die Stadt der Moderne vernichtet ihre Geschichte

Wir schreiben den 04. März 2016. Morgen, am 05. März, jährt sich zum 61. Mal die groß angelegte Zerstörung unserer Stadt durch die britische Luftwaffe. Ungefähr 4.000 Menschen ließen ihr Leben. Daneben wurden zahlreiche Fabriken, öffentliche und Wohngebäude zerstört. Mit einer Friedensdemonstration soll morgen Abend an die Ereignisse von damals erinnert werden.

Bereits heute Abend wird durch eine Lichterkette ebenfalls erinnert: an den Erhalt der letzten zeitgenössischen Wahrzeichen von Chemnitz. In diesem Fall ist es das 115 Jahre alte Chemnitz Eisenbahnviadukt über die Annaberger Straße. Dieses soll abgerissen werden, wenn es nach der Deutschen Bahn AG geht. Mit dem Ausbau der Sachsen-Franken-Magistrale soll auch das Viadukt über die Annaberger Straße einem neuen aus Beton weichen. Dafür lief bis Ende Februar eine Unterschriftenpetition. Heute Abend nun folgt die Lichterkette, am 23. März wird unsere Stadt vor dem Bauausschuss Stellung nehmen. Selbst Eva-Maria Stange, die sächsische Ministerin für Wissenschaft und Kunst, plädiert für den Erhalt der Chemnitzer Industriekultur.

Weiter gehts im Sportforum

Der Kampfrichterturm des Sportforums steht ebenfalls auf der Abrissliste. Warum? Weil Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig den Turm als nationalsozialistischen „Führerturm“ nicht im Stadtbild der Stadt der Moderne sieht. Da interessiert es auch keinen, ob die Bauwerke dem Denkmalschutz unterstehen oder nicht. Statt der einstigen Veranstaltungshochburg wieder Leben einzuhauchen, ihm Gestalt zu geben, werden geschichtsträchtige Zeitzeugen gleich mit entsorgt.

Ähnliches „blüht“ dem ehemaligen MDR – Gebäudes in Rabenstein. Abriss oder Umbau – die Diskussion um den Abriss des Kulturpalastes geht schon seit mehreren Jahren. Während in dem im Stile eines griechischen Tempels errichteten Gebäudes in den 70ern einige bombastische Shows gefeiert wurden, verrottet er seit der Wende zusehends.

Chemnitzer blicken mit Wehmut auf die Pläne

Die Einwohner unserer Stadt der Moderne, blicken sicher nicht unaufgeschlossen auf Modernisierungs- und Bebauungspläne unserer Stadtväter und -mütter. Aber sie blicken ganz sicher mit Wehmut auf die Abrisspläne. Zu gern schwelgen sie in Erinnerung an „alte Zeiten“ und sind stolz auf die Geschichte ihrer Stadt. Und hier ist die Rede von einer Stadt, die eine reiche Geschichte zu bieten hat. Leider wurde sie bereits zwischen 1949 und 1989 teilweise ausgelöscht. Der Rest scheint jetzt der Abrissbirne zum Opfer zu fallen.

Wenn morgen während der geplanten Friedensdemonstration anlässlich des 05. März den Opfern gedacht wird, werden viele sicher an ein Chemnitz denken, dessen Historie an Größe nur schwer zu überbieten ist. Aber ohne die Pflege derselben wird in  Kürze kaum noch darüber gesprochen werden.

Angesichts dieser Annahmen – was wird aus Chemnitz einmal werden?

 

Quelle:  http://m.welt.de/kultur/kunst-und-architektur/article152882296/Chemnitz-schafft-sich-ab.html  http://www.chemnitzer-friedenstag.de/bomben.html  http://www.freiepresse.de/LOKALES/CHEMNITZ/Ministerin-setzt-sich-fuer-Viadukt-ein-artikel9447852.php

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